17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 4: Tag 3
14. Oktober 2018

17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 5: Tag 4 – Grand Finale

Die Festival-Jury kürt die Gewinner

Der letzte INFF-Tag ist angebrochen! Beziehungsweise das Programm des letzten Tages beginnt gleich (es ist ja bereits 15:30). Das Rahmenprogrammgespräch über den Werdegang des Vorjahresteilnehmers The New Wild: Life in the Abandoned Lands (2016) mit Filmemacher Christopher Thomson verpasse ich zwar, nehme mir aber vor, den Film selbst – ebenfalls im Rahmenprogramm – gleich noch anzuschauen.

Und als ich ganze drei Minuten von White Wolves – Ghosts of the Arctic (2018, Oliver Goetzl) hinter mir habe, merke ich plötzlich, dass ich auch schon wieder raus muss, um zur Uni um die Ecke zu jetten, da es ja dort mit The New Wild gleich losgeht. Aber eins muss ich sagen: diese drei Minuten von White Wolves, die ich gesehen hab‘, die haben’s in sich. Da springt doch glatt ein Wolfjunges vom Stand aus hoch in die Luft, um nach einem eleganten Köpfler im Schnee stecken zu bleiben und dann mit einem Getier im Maul (eine Maus oder sowas in der Art) wieder rauszuziehen. Diese Aufnahme allein hat schon einen Preis verdient, denk‘ ich mir noch und entschwinde.

Im Hörsaal 5 der Uni Innsbruck angekommen bemerke ich mit Freuden, dass Regisseur Thomson sowie Geograph Michael Beismann, der fleißig an The New Wild mitwirkte und den ich schon gestern aufs Hafeleklar hinaufbegleiten durfte, immer noch bzw. wieder dabei sind, um den Film anzukündigen und sich danach ausgiebig über ihn auszutauschen. Und kaum erblicke ich Thomson, steigen meine Erwartungen ins Unermessliche: Denn wenn The New Wild nur halb so gut ist wie Thomson gutaussehend, dann steht uns eine echte Sensation ins Haus. Und gewissermaßen ist sie das auch: Mit poetischen Voice-over-Worten à la The Southern Right Whale, dafür mit umso längeren und fast ausschließlich statischen Kameraaufnahmen, zeichnet der Film das Bild einer Handvoll norditalienischer Dörfer, die teilweise bis ganz dem Verfall überlassen wurden, und sinniert dabei auf hypnotische Weise über die Verbindungen zwischen Mensch und Natur, zwischen Stadt und Land. Hier ist weniger (sowohl an Budget als auch an kameratechnischem Firlefanz) definitiv mehr!

Nach der Präsentation des Films The New Wild, den es übrigens auch als Buch gibt, präsentieren der schneidige Michael Beismann und der (sorry, Michael) noch schneidigere Christopher Thomson das Buch The New Wild, das es übrigens auch als Film gibt

Nach Filmende lausche ich noch eine ganze Weile gespannt Thomsons und Beismanns Ausführungen, unter anderem darüber, wie schwer es ist, effektive Einwohnerzahlen statistisch zu erfassen, und wie hoch die Decke eines Hauses sein muss, um offiziell drin wohnen zu dürfen (und Thomsons Decke ist verdammt niedrig, wie er uns verrät!). Dann heißt’s auch schon vorbereiten für die Preisverleihung! Als glühender Quasi-Exil-Südtiroler mit Wurzeln im schönen Vinschgau hätte ich mir zwar noch wirklich gerne Das Wunder von Mals (2018, Alexander Schiebel) und den anschließenden Science Glimpse über „Civic Empowerment“ mit dem Soziologen / der Soziologin Markus Schermer und Carolin Holtcamp reingezogen, aber es hilft alles nichts: ich muss wohl oder übel rüber zum Nobelbüffet ins Innsbrucker Rathaus!

Und dort herrscht auch schon nichts als Preisverleihungsstimmung. Festival-Overlord Johannes Kostenzer (noch so ein schöner Vorname!) ist selbstverständlich auch da und gibt sich happy mit dem Erfolg der diesjährigen Veranstaltung: „Die haben uns die Türen eingerannt,“ sagt er und wirkt trotz eines derartigen Gewaltaktes weder empört noch unglücklich.

Festivalorganisator Johannes Kostenzer ist, mit Fug und Recht, happy!

Die charmante Verena Örley führt gekonnt durch den Abend und verkündet nach diversen Ansprachen und diversen Leckereien gemeinsam mit Kostenzer und sowie Jurymitglied Chiara Isabella Spagnoli Gabardi die insgesamt acht Sieger. Strahlende Gesichter gibt’s überall, und wie alle anderen auch gratuliere ich links und rechts, und einige der Gewinner (sowie mein persönlicher Held Lukas Ladner, der das tolle Schildkröten-Festivalmarkenzeichen kreiert hat) lassen sich auch glatt mit mir ablichten. Die komplette Siegerliste findet ihr übrigens hier.

Und dann, bumm! So wie’s sein soll endet das Festival genau dort, wo’s am schönsten ist. Ein Drink im Kater Noster mit dem harten Kern der Teilnehmenden ist für mich noch drin, aber weil ich selbst so ganz hart dann doch wieder nicht bin, mache ich mich verhältnismäßig bald – erschöpft aber happy – auf zum Zug und ab nach Hause.

Mitgenommen hab‘ ich viel, soviel ist klar, doch was hab‘ ich alles verpasst? Denn die Tragödie bei einem Festival dieser Größenordnung ist ja, dass man, egal wieviel man sich anschaut und bei wie vielen Rahmenvents man dabei ist, am Ende immer noch mehr nicht mitbekommen haben wird. Mit Schrecken musste ich nach Ende des Festivals etwa feststellen, dass ich Wonders of the Sea (2017, Jean-Michel Cousteau, Jean-Jacques Mantello) einfach hab‘ sausen lassen, obwohl der Film an die absolute Spitze meiner Liste gehört hätte. Co-Regisseur dort ist, wie ich später rausfand, kein Geringerer als der Sohn der Unterwasserfilm-Pionierlegende Jacques Cousteau! Das ist jetzt zwar für mich völlig irrelevant, aber: Arnie himself – jawohl, genau der Arnie! – macht die Erzählstimme! Gegen einen Superstartitanen wie ihn (ach, wie ihn gibt es nicht, es gibt nur ihn) verkommt selbst Jean-Claude van Dammes seriösester Roundhouse-Kick zur erbärmlichen Lachnummer. Meine Wunde ob dieses fatalen Versäumnisses (ach hätt‘ ich doch das Programm genauer gelesen anstatt mir hauptsächlich die Bilder drin anzugucken!) klafft noch immer.

Von den insgesamt acht Siegerfilmen habe ich ebenfalls tatsächlich nur den gestern bereits erwähnten Kurzfilm Birthplace (den ich aber echt preiswürdig fand – wie den die Müllmuschel verschluckt ist beeindruckend, und wie lange der Protagonist unter Wasser die Luft anhalten kann mindestens genauso) zur Gänze erwischt. Der Trailer vom (verpassten) The Silver Branch (2018), der beim Überreichen der Trophäe nochmal schnell gezeigt wird, macht mit seinen poetischen Bildern einer bäuerlichen Idylle absolut Appetit aufs gesamte Werk, und auch die restlichen 53 Minuten des 56-Minüters White Wolves werde ich dereinst noch erblicken dürfen.

Alles in allem jedenfalls war das 17. INFF ein super Event, und dass man mehr an Programm geboten bekommt, als man je konsumieren kann, spricht bei aller Enttäuschung über das Verpasste ja dann doch in Summe eher für den Erfolg der Veranstaltung, als dagegen. da liegt die Latte für nächstes Jahr hoch! Bleibt mir noch zu sagen: Kompliment an all die Vielen, die das Ding auf die Beine gestellt haben; ich freu mich, dabei gewesen sein zu dürfen! (Und sollte man mich tatsächlich nochmal als rasenden Reporter für’s Innsbruck Nature Film Festival 2019 engagieren wollen – Leute, ihr wisst, wie ihr mich findet!)

P.S. In einem einzigen Punkt – dies sei mir bei allem Respekt vor den Entscheidungen der Jury an dieser Stelle noch gestattet – erlaube ich mir doch, den mahnenden Zeigefinger zu erheben: Der Kurzfilm Kinsetsu (2017) des jungen österreichischen Filmemachers Clemens Wirth ging nämlich nicht nur nicht als Sieger hervor, sondern wurde nicht einmal lobend erwähnt! Eine Schande! Nicht, dass ich den Film gesehen hätte, aber Wirth kam während der Verleihungszeremonie auf mich zu um mir zu sagen, dass er meinen Blog lustig findet. Gebt dem Mann einen Preis!

„Musste es heute dieses TShirt sein?“ denke ich noch, aber Moderatorin Verena Örley lässt sich zum Glück trotzdem mit mir ablichten. Notiz für nächstes Mal: Dresscode beachten!

 

Wolf-Man und Preisträger (für White Wolves, Kategorie Nature Documentaries) Oliver Goetzl liefert das Statement des Abends: „Wölfe sind geil!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Der junge Filmemacher Lukas Ladner zeichnet verantwortlich für die supertolle Schildkröte, die als Erkennungszeichen des Festivals dient. Dafür gibt’s zwar leider keinen Preis, dafür Omnipräsenz. Ist doch auch was wert!

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