17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 3: Tag 2
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17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 5: Tag 4 – Grand Finale
17. Oktober 2018

17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 4: Tag 3

Schnell noch ein Frühstück in den Schlund (Banane à la Jane Goodall) zum Lebensgeister-Wecken, dann runter in die Hungerburgbahn und rauf ins Gebirg‘! Die Uni Innsbruck und die Innsbrucker Nordkettenbahnen machen’s möglich!

Heute morgen heißt’s für mich rauf auf die Norkette! Die Uni Innsbruck lädt nämlich ein zum Hungerburgbahntrip auf die Hafeleklarspitze (gottseidank nicht zu Fuß, denn ich bin jetzt noch / schon saumüde), von wo aus wir „Innsbruck wie noch nie“ erleben dürfen. Und tatsächlich, Mitorganisator Michael Beismann (Geographie) und die Vortragenden Ernst Steinicke (Geographie), Kurt Scharr (Geographie / Geschichte) und Andreas Flora (Architektur) haben nicht zu viel versprochen: da oben war ich nämlich noch nie.

Und eins kann ich sagen: Schön ist’s! Und windig! Und kalt! Und natürlich interessant, was Steinicke et al. zu berichten haben. Dass zumindest in geotektonischer Hinsicht der Kontinent Afrika gleich hinter der Europabrücke beginnt, man ihn also vom Hafeleklar aus „sehen“ kann, war mir beispielsweise nicht bekannt (ich würde mich zwar durchaus als weltmännisch bezeichnen, dachte aber bisher immer, Afrika sei so weit weg, dass man gar nicht darüber nachdenken muss, was dort so los ist). Und die Ursache des Innsbrucker Föhnwinds, der im März und Oktober die halbe Stadt in den Wahnsinn treibt, wird meteorologisch dermaßen einleuchtend erklärt, dass ich sie schon wieder vergessen habe (wie manche auch noch so interessante und relevante Infos genauso schnell wieder aus dem Hirn rausrutschen können wie sie reingeflutscht sind, das sollte mir mal jemand erklären). Die Berge sind jedenfalls mit Schuld an dem Ärgernis. Nicht vergessen hab‘ ich allerdings, dass Chrirurgen und Chirurginnen der Innsbrucker Klinik es in Föhnzeiten möglichst vermeiden, komplizierte Operationen durchzuführen. Ohne Migräne und Schaum vorm Mundschutz schnippelt sich’s halt einfach besser.

Michael Beismann, Andreas Flora, Kurt Scharr und Ernst Steinicke von der Universität Innsbruck erklären uns die „Natur“ der Stadt lieber auf die steinige Art…

Da oben finde ich überdies die Gelegenheit, mit der Reisejournalistin und Festivalreportkollegin (ich will nicht sagen –konkurrentin, hab’s aber grad) Lea Hajner, die für den Innsbruck-Blog unterwegs ist und die das Föhn-Phänomen doch eine Ecke besser erklären kann als ich (siehe hier), ein bisschen zu plauschen. Falls ihr euch wundert, warum keiner vom Exkursionsleitungsteam auf dem Foto oben in meine Kamera schaut: Sie schau‘n alle in ihre. Daran, dass sie weitaus attraktiver aussieht als ich kann’s nicht liegen, schließlich hab‘ ich mir heut‘ früh extra eine Extraportion Haarwachs oben draufgeklatscht. Aber Hajner hat halt eine Profikamera dabei, während ich mit meinem lausigen Handy Vorlieb nehmen muss – das macht eben wenig Eindruck. Zaunpfahlwink also an meine Auftraggeber: Gebt’s mir a g’scheite Kamera (und mehr Haarwachs)! Vielleicht wäre ich dann sogar bereit zu lernen, wie man sie bedient.

Mit der professionellen Reisejournalistin Lea Hajner, die für den Innsbruck-Blog bloggt. Gottseidank hat mein Boss nicht vorher an sie gedacht, als er mir den Auftrag gab!

Nach einer kleinen Stärkung geht’s dann wieder runter, und ich erlaube mir, mich nicht nur vom Berg, sondern auch von der netten Gesellschaft abzuseilen, um ein bisserl am Blog zu basteln und mich mental wieder von Kopf bis Fuß auf Kino einzustellen.

Und a propos Kino: Da sieht man wieder mal, wie sehr man als Reporter auch trotz bester Vorbereitung und akribischster Recherche mit seinen Statements danebenliegen kann: In The Southern Right Whale (2018, Kevin Zaouali) wird ja doch gesprochen! (Ich hab‘ in einem Podcastbeitrag, der irgendwo im Netz rumgurkt, verlautbaren lassen, es handle sich um einen Film ohne Worte. Mea culpa!) Nur halt nicht sonderlich viel, und nichts sonderlich Informatives à la „Die mächtige Hinterflosse dieses soundsovieltgrößten Lebewesens auf unserem Planeten dient nicht nur diesem, sondern auch jenem Zweck…“, was eh alle nach dem Rausgehen gleich wieder vergessen würden, sondern nachdenklich-poetische Zeilen aus dem Off, die die emotionale Wirkung der gewaltigen Kameraaufnahmen noch verstärken. Übrigens erfahren wir vom Filmemacher höchstselbst im Q&A direkt nach der Vorführung, dass es sich bei diesen komischen weißen Geschwülsten überall auf den Walen drauf mal ausnahmsweise nicht um irgendein menschenverursachtes Krankheitssymptom als Folge unseres verantwortungslosen Umgangs mit dem Ozean handelt, sondern um harmlose Hornhautbildungen, die diversen Meerestierchen als Nahrung dienen und damit sogar nützlich sind. Wir können also nichts dafür, dass diese Dinger nicht gerade fotogen aussehen.

Kevin Zaouali, der Macher von The Southern Right Whale (2018), erklärt uns, wie man es in einer Stadt am Meeresrand aushalten kann, obwohl einem andauernd Wale durchs Fenster ins Schlafzimmer reinbrüllen

Eins der Highlights des Tages sind für mich dann noch die Kurzfilme, die am Abend im Block gezeigt werden, bzw. die anregende Diskussion im Anschluss, bei der die Theologen Józef Niewiadomski und Dietmar Regensburger sich mit Filmemacher Xavier Ducry unter anderem darüber unterhalten, ob wir für die Zukunft des Menschen noch sowas wie Hoffnung hegen sollen, oder ob es nicht cleverer wäre, uns zurückzulehnen und gemütlich abzuwarten, bis wir als Spezies von der Natur bzw. von uns selbst ausgesiebt werden. Ducrys lustig-verstörender Animationsfilm The Last Eye (2016), in dem ein Haufen Vögel auf einer paradiesischen Insel fröhlichen Surfern die Augen auszupfen und dann verspeisen, um mit den daraus gewonnenen Superkräften zunächst andere Spezies und dann sich selbst auszurotten, signalisiert jedenfalls, dass es der Natur so oder so wurscht sein kann, was passiert, da sie selbst in jedem Fall bestehen bleibt. Warum also, so Ducry, soll es uns nicht ebenfalls wurscht sein, wenn wir aussterben, weil‘s ja, im kosmischen Großen und Ganzen betrachtet, eh keinen Unterschied macht? Nur heute muss es noch nicht unbedingt sein, dankeschön.

Auch spannend, wie Regensburger und Niewadomski es schaffen, die an sich recht unterschiedlichen Kurzfilme thematisch unter einen Hut zu bringen. In allen geht es irgendwie um Wesen, die sich von ihrer Umwelt (ob in gesellschaftlicher oder Natur-technischer Hinsicht) entfremdet haben und den rechten Platz nicht finden können oder wollen. In 7 Planets (2018, Milda Baginskaite) ist es eine Frau, die sich nach einem bewohnbaren Planeten sehnt, weil sie sich auf der Erde nicht daheim fühlt, und in Birthplace (2018, Sil van der Woerd, Jorik Dozy) ist’s ein Mann, der ohne Sauerstoff tauchend und ganz happy die Meereswelt erkundet, dann aber immer mehr plastikbeuteligen Fremdkörpern begegnet, von denen er sich am Ende verschlucken lässt. Das Medium Kurzfilm hat mir an diesem Abend einmal mehr gezeigt, wie viel Grübelmaterial sich in wie wenig Zeit hineinpacken lässt. Tolle Sache!

Da ist es doch schade zu bemerken, dass das Innsbruck Nature Film Festival nur noch einen Tag dauert. Aber ich darf gespannt sein, was der noch alles an Berichtenswertem zu bieten hat!

 

Fortsetzung folgt!

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