17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 2: Eröffnung
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17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 4: Tag 3
14. Oktober 2018

17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 3: Tag 2

Was für eine Erleichterung! Bin grad raus aus dem Kino nach „Amazing Pigs“ (2018, Matt Hamilton), und ich gebe gerne zu, dass es durchaus verblüfft zu sehen, wie gut ein Schwein schwimmen und (sehr, sehr) einfache Puzzles lösen kann. Aber „amazing“ ist dann wohl doch etwas hoch gegriffen! Nur um da wieder ein bisschen Perspektive reinzubringen: Spiderman ist „amazing“; ein Schwein ist, mit Verlaub, ein Schwein. Aber schon lustig, wie unterschiedlich die alle in den verschiedensten Plätzen der Welt aussehen (denn Schweine gibt‘s, wie wir längst wissen, überall!). Somit ist der Film sicher recht kurzweilig (nicht zuletzt weil recht kurz), aber die Erzählstimme betont doch etwas gar häufig, wie komisch manche Schweine doch aussehen. Wenn einem von denen zwei lange Hörner direkt aus der Nase rauswachsen und ihm fast in die Augen stechen, dann kapier‘ ich auch von allein, dass das komisch ist.

Auf in die Natur(filme)!

Noch leicht ermüdet vom Vorabend – ich gesteh‘s: den Kurzfilm „The Color of Thirst“ (2017, Gala Gracia) vor „Amazing Pigs“ hab‘ ich eiskalt für ein kleines Powernap missbraucht (das ist kein Urteil über den Film, der war bestimmt super) – spazier‘ ich also raus aus dem Kino und, weil ja mein Mikro-Mann Johannes Perathoner heute ausfällt, gleich wieder rein. Ich bin dann ja doch auch daran interessiert, beim nächsten Film die Frage „Wem gehört die Natur?“ (2018, Alice Agneskircher) beantwortet zu wissen. Und sieh einer an, Kamerann Max Kölbl, mit dem Johannes  und ich gestern bei der Eröffnung kurz geplauscht hatten, pflanzt sich gleich neben mich. Seine erklärte Mission: Rausfinden, wie viele von seinen Hirsch-Wald-Wiesen-Aufnahmen es tatsächlich auch in den Film geschafft haben. Wie er mir später erleichtert sagen wird: genügend, um nicht ausrasten zu müssen.
Wem die Natur dann tatsächlich gehört weiß ich nach dem Film allerdings immer noch nicht. Denn gewisse Dokus, und diese hier ist eine davon, wollen ja immer „vielschichtig“ sein und ein Thema – in diesem Fall die Jagdregelung in Bayern und, sozusagen als Bonus, ein bisschen auch die in Kanada – in „seiner ganzen Komplexität beleuchten“. Hätten sie mal gesagt, „Die Natur gehört uns und damit basta“, dann wär die ganze Sache doch schon viel einfacher gewesen. So sehe ich mich nun dummerweise glatt dazu gezwungen, eigenständig nachzudenken. Aber ich will nicht klagen, der Film war echt gut und hat mir aufschlussreiche Einblicke in ein Themengebiet gewährt, das mir bisher blunzenwurscht war. Wie gerechtfertigt sind unsere (bzw., da es vornehmlich um Bayern geht, deren) Jagdgesetze, und wie sehr würden Rehe, Hirsche und Konsorten tatsächlich die Wälder ruinieren, ließe man sie einfach in Ruhe?
Ruhe habe ich jedenfalls keine, denn kaum hört der eine Film auf, bereite ich mich schon geistig auf den nächsten vor. „The Fight for the Arctic“ (2018, Andreas Ewels, Norbert Porta) befasst sich mit einem Thema, von dem mir mal wer erzählt hat, dass er von wem gehört hat, dass es hie und da doch den oder die einen oder eine oder anderen oder andere manchmal beschäftigt: Klimawandel. “Fight for the Arctic” ist mir für einen „Fight“-Film zwar in Summe etwas zu wenig actiongeladen, aber dennoch voller nützlicher Informationen. Wir besuchen etwa ein ultraentlegenes Dorf, bei dem man praktisch zusehen kann, wie es durch Permafrostrückgang buchstäblich untergeht. Auch erfahren wir von der noch nicht ausreichend geregelten politischen Grenzziehung der Arktis. Was mag wohl passieren, wenn die Leute, die dort derzeit nach Öl bohren, auch welches finden? („Nichts Schlimmes“, wird ein Sprecher von der Uni-Innsbruck-organisierten Podiumsdiskussion uns nachher beruhigen. „Oder doch was Schlimmes“, beunruhigt uns sein Kollege gleich wieder.)
Der kurze, sauber gemachte Fiction-Film „The Invisible Blanket“ (Pasha Reshikov) weist darauf hin, wie sehr das Thema Klimawandel schon Jahrzehnte bekannt ist, und wie wenig wir bisher dagegen getan haben. Und genau darum geht‘s dann auch in der Podiumsdiskussion:
Vier Experten der Universität Innsbruck aus den Bereichen Meteorologie, Wirtschaftstheorie und -politik sowie Geographie talken den Klimawandeltalk. Bleibt nur die Frage für uns Erdenbewohner: Walken wir den Walk? Von den diversen angebotenen Antworten auf noch eine Frage, nämlich der einer Studentin, was sie als junge Mittzwanzigerin (bzw. ich als junger Enddreißiger) denn konkret tun könne, berührt mich eine besonders: Hausverstand einschalten. Wenn ich im Winter daheim im TShirt rumlaufe und mir immer noch warm ist und im Hochsommer mit Pulli immer noch kalt, dann ist was faul an meinem Heiz- und Kühlhaushalt. Ich für meinen Teil hab‘ in meinem neuen Heim, in das ich mit meiner Familie kürzlich gezogen bin, bisher immer noch nicht verstanden (trotz drei Erklärversuchen diverser Experten), wie ich dieses neue Heizdings einschalte. Hoffen wir also im Sinne einer möglichst effizienten Klimawandelbekämpfung, dass ich’s den ganzen Winter über nicht raffen werde.
Fortsetzung folgt!

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