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17. Innsbruck Nature Film Festival, Teil 2: Eröffnung

Reportercrashkurs, Regel Nummer 1: Immer Notizen machen! Hier zum Eröffnungsfilm  "Jane" (2017, Brett Morgen)

Na das fängt ja schon mal gut an! Gleich am ersten Tag des Festivals verpass‘ ich meinen Zug und somit auch die Chance, mich vor der offiziellen Eröffnung eingehendst mit meinem Sidekick Johannes Perathoner (er würde behaupten, ich sei sein Sidekick, aber der Mann irrt) über die Feinheiten, oder zumindest die Grobheiten, unseres Schlachtplans auszutauschen für eine möglichst effiziente und umfassende Berichterstattung. Wurscht, dann eben ohne Schlachtplan – muss ja dem Chef nicht gleich auf die Nase binden, dass ich das mit dem Zug versemmelt hab‘. Nach einem schnellen Bierchen mit Johannes an der Leokinobar (er hat auch brav sein Mikro mitgebracht zum Unschuldige-Festivalgäste-Schikanieren) marschieren wir also rein in den bereits gut gefüllten Kinosaal und lauschen den diversen Ansprachen und Dankesworten der mehr oder weniger direkt involvierten Prominenz. Festivalmastermind Johannes Kostenzer etwa spricht von seiner Leidenschaft für die Natur und der Hoffnung, ein Event wie das INFF möge diese in die Herzen des Publikums weitertragen, und auch der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi sowie Uni-Vizerektor Bernhard Fügenschuh verlieren Worte, die das Publikum durchaus auch findet. Auf die von der Universität Innsbruck organisierten Q&A-Sessions „Science Glimpses“, zu wissenschaftlichen Aspekten ausgewählter Filme im Anschluss an deren Vorführung, bin ich schon gespannt, und das Rahmenprogramm „Senses“ klingt so, als sei es auch nicht von schlechten Eltern. Beim Workshop für den Bau meiner eigenen Solarlampe heute kann ich leider nicht dabei sein (Mist!), bin aber dafür umso dankbarer, wenn jemand von euch dort aufkreuzt (14:00, Franz-Fischer-Straße 12) und mir und Johannes danach was darüber ins Mikro flüstert (die Lampe nehm‘ ich übrigens auch gerne entgegen). Nur nicht drängeln bitte!

Nach der charmanten Einführung jedenfalls wird’s still im Saal, denn schon geht’s los mit dem ersten Festivalhighlight, dem Eröffnungsfilm Jane (2017, Brett Morgen). Der erzählt vom Leben der leidenschaftlichen Naturforscherin Jane Goodall, die sich in den 1950erjahren gegen alle gesellschaftlichen Konventionen und Normvorstellungen stemmte und sich dazu entschied, ihrem Traum zu folgen und ihr Leben dafür zu verbraten, in Afrika einem Haufen Schimpansen beim Rammeln zuzuschauen. Nein im Ernst, der Film ist echt bewegend und lehrt uns nicht nur den größeren Respekt vor der Tierwelt, sondern liefert auch jede Menge Erkenntnisse über die Verbindungen zwischen den Handlungsmustern von Primaten und jenen von uns Menschen. Die Story an sich hat also schon was ganz Primitiv-Universelles, und auch die spektakulären (und lange verloren geglaubten) Aufnahmen von Goodalls Ex-Ehemann Hugo van Lawick sowie das berauschende Gedüdel des Musikgroßkalibers Philipp Glass machen Jane zu einem lohnenden Erlebnis.

Vor allem aber lässt der Film uns Menschen ordentlich aufatmen. Denn es ist ja so: Bei einem Naturschinken dieser Art kann man eigentlich nichts anderes erwarten, als es von den Filmemachern mittels Blick auf die Harmonie und Ordnung der unberührten Natur reingerieben zu bekommen, was für verrottete Parasiten wir Homo Sapiense im Vergleich doch sind. Gut zu sehen also, dass es die Schimpansen unterm Strich auch nicht besser machen. Die klauen Jane ihre Bananen vor der Nase weg, geben sich gern mal gegenseitig eins auf die Rübe und liefern sich, wenn’s gar nicht anders geht, Bandenkriege einer Art, von der selbst die Corleones noch was lernen könnten – Mord und Totschlag also inklusive. Sicher mag es beeindrucken zu beobachten, dass Schimpansen etwa tatsächlich in der Lage sind, Grashalme als Werkzeuge zu verwenden, um ein paar leckere Ameisen aus ihren Löchern zu ziehen, aber die Atombombe, bitteschön, die haben wir gebaut, und von weiteren menschgemachten Aushängeschildern wie der komplexen Sprache, der Raumfahrt oder Jean-Claude van Damme sind diese Primaten dann doch noch ein paar Zeitalterchen entfernt.

Bleibt also nur zu hoffen, dass das heutige Programm nicht Erkenntnisse über Lebewesen abseits des Reichs der Affen liefert, die uns unseren Status als Krone der Schöpfung streitig machen könnten. Der österreichische Film Amazing Pigs (2016, Matt Hamilton, um 16:45 im Leo 2) klingt da besonders gefährlich…

 

Fortsetzung folgt!

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